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Die grosse Schweinerei

in Alte und neue Literatur...von Gilbert Kapkowski 21.06.2018 13:25
von gkapkowski • 15 Beiträge

Die grosse Schweinerei
von Gilbert Kapkowski 1972

Vier schweinische Kurzgeschichten, die jahrzehntelang als Handschrift verschollen gewesen waren...
...wiederentdeckt und neu ins Unreine geschrieben am 23.Februar 2018



PIGGY 1

Die Natur hatte ihren grossen Fehler endlich eingesehen und den Schweinen die Herrschaft über die Erde gegeben.

Eines Tages kam Schweinefrau dahinter, dass ihr Mann sie mit einem anderen Schwein betrog.

Als sie ihn zur Rede stellte, bekam er allerhand schlimme Ausdrücke an den Rüssel geworfen.

„Wie kannst Du so etwas Ordinäres grunzen !“ beschwerte er sich schliesslich.

Doch seine Frau antwortete nur:
„Du bist der grösste Mensch, den es je gegeben hat !“

(Womit bewiesen wäre, dass auch der grösste Mensch nur ein Schwein ist)



PIGGY 2

Ein Mann lehrte einmal einem Schwein das Sprechen.
Mit der Hoffnung, dass ihm dies nützlich sein könnte.

Das Erste, was das Schwein dann äusserte, war die Frage:
„Warum hast Du mich jahrelang zur Sau gemacht ?“

Am nächsten Morgen brachte der Mann das Schwein zum Schlachthof.



PIGGY 3

Als der Krieg endlich vorbei war, beschlossen die überlebenden armen Schweine die ganze zugrundeliegende Schweinerei dahingehend umzuwandeln, dass sie in Zukunft das Futter gerechter verteilen wollten.

Allerdings gab es, auch nach diesem Beschluss, noch einige Schweine, die mehr zu sagen und zu fressen hatten als andere.

Aber im Grossen und Ganzen ging es allen besser und es bestand kein Zweifel, dass eines Tages alle schweinischen Probleme gelöst sein würden.

Doch es fanden sich ein paar mächtig einflussreiche Schweine zusammen,
die sich mit den bestehenden Verhältnissen nicht abfinden wollten.

Sie redeten vom Alleinanspruch des Volkes auf das Futter und riefen die Revolution von oben nach unten aus.

Die alle unterdrückten Schweine endlich befreien sollte.

Die armen Schweine grunzten und wunderten sich über die Anordnung, dass sie auf einmal alle gleich arm sein sollten.

Davon ausgenommen selbstverständlich die, die die Revolution ausgerufen hatten.

Damit hatte die ganze Schweinerei wieder einen neuen Anfang genommen.



PIGGY 4

Als Gott das Schwein erschaffen hatte, fragte er es:
„Was wirst Du als Erstes tun ?“

Das Schwein antwortete:
„Oh Herr, ich werde alle Deine Feinde erschlagen und Dir dann einen prächtigen Tempel bauen, in dem ich Dir jeden Tag opfern und huldigen kann.“

Gott fragte weiter:
„Und was gedenkst Du für Deine Angehörigen zu tun ?“

Das Schwein entgegnete:
„Oh Herr, ich werde einen grossen Schweinestall einrichten, in dem Dich die ganzen armen Schweine auf dieser Welt anbeten sollen und die meisten Schweine in grosser Bescheidenheit leben werden.
Besonders die Unwürdigen.“

Die nachfolgende letzte Frage Gottes ist absichtlich nicht authentisch überliefert und auch eine exakt belegbare Antwort des (männlichen) Schweins
würde saumässig sensible religiöse Befindlichkeiten berühren.

Gott soll das Schwein dann noch gefragt haben:
„Wie soll es DIR persönlich dabei eigentlich ergehen ?“

Das Schwein soll folgendermassen ausführlich geantwortet haben:
„Tja, Chef – die meisten dummen Schweine sind nicht in der Lage, die von Dir geschaffene Schweinerei auf diesem Planeten ordentlich zu verwalten.

Deswegen wird es im Laufe der Zeit immer wieder zu grossen Schlachtfesten kommen. Und wirklich niemand will schuld an einer Sauerei gewesen sein.

Ich werde also in den süssen Apfel beissen müssen und mir und den eingesetzten untergebenen Schweinen meiner Regentschaft immer die besten Plätze am Trog sichern.

In dem einen Land der besonders grossen Schweinezüchter wird das durch ein Grunzgesetz geregelt.
Ich schwöre darauf, so wahr ich mir Schweinchen Schlau dabei helfe.

In anderen wüsten Ländern, in denen jedes Schwein durch Dein, also Gottes Wort, als unrein erklärt worden ist, werde ich alle meine Schweinereien hintenrum und im Verborgenen abziehen.

Auch in einem grossen Schwein steckt von Natur aus meist nur ein kleines Dreckschweinchen.

Ich persönlich möchte aber lieber ganz gewiss ein Glücksschwein sein.

Für die vielen anderen dummen unglücklichen Schweine bleibt eine ungewisse Hoffnung auf das Glück...
...mit einer grossen Anzahl von jungfräulichen Säuen in der Ewigkeit.

Die erst durch´s Dorf getrieben werden und danach, jenseits der irdischen Ferkeleien, allen Ebern und Wildschweinen willig zur Verfügung stehen müssen.

Zumindestens denen, die an den ganzen Schweinskram GLAUBEN.“

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