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Die Hoffnung stirbt zuletzt

in Alte und neue Literatur...von Gilbert Kapkowski 25.03.2019 15:15
von gkapkowski • 19 Beiträge

Die Hoffnung stirbt zuletzt
von Gilbert Kapkowski 16.03.2019


Auf der grossen Flucht vor dem BÖSEN war die WAHRHEIT auf der Strecke geblieben.

Nichts war von ihr übrig, ausser ihrer unattraktiven Stiefmutter, der VERDREHUNG, die allerdings mit Tatsachen gut umzugehen wusste.

Ein paar Lehrjahre als Sekretärin, Vor- und Hinterzimmerdame bei den Leitmedien hatten für sie sehr grossen Nutzen gebracht.

Das BÖSE war in der Zwischenzeit auf allen Ebenen geschickt darin gewesen, sich überzeugend als das GUTE darzustellen.

Falls notwendig, auch als das WAHRE oder SCHÖNE.

Völlig gegenteilig wirkende Auftritte seines inneren Selbst zu präsentieren – diese Kunst beherrschte das BÖSE wahrlich meisterhaft.

In Wirklichkeit war am BÖSEN ehrlicherweise nichts SCHÖN.

Aber weil sich die Sache mit der WAHRHEIT gründlich erledigt hatte, konnte das niemand in ein richtiges Licht rücken.

Beispielsweise liess sich die HALTUNG, eine ziemlich naive Nachahmerin der längst verschwundenen echten ZIVILCOURAGE, mit Leichtigkeit an der Nase herumführen.

Die VERDREHUNG der Tatsachen kam zur richtigen Zeit als Verbündete ins Spiel.

Ab diesem Zeitpunkt war es allgemein äusserst schwer, das GUTE eindeutig zu erkennen. Denn das BÖSE hatte es sich prinzipiell bereits zu eigen gemacht und betrieb seinen Feldzug in jeder Maske seiner Wahl.

Als das schnelle Ende der WAHRHEIT kam, blieb ihrer grossen Schwester, der HOFFNUNG, nichts weiter übrig als eine eilige Flucht anzutreten.

Sie rettete sich überhastet zu einem entfernten Verwandten, dem GLAUBEN.
Um dort erstmal in Klausur zu gehen und einen gewissen inneren Halt zu suchen.

GLAUBE und HOFFNUNG sassen in ihrer Unterkunft zusammen, waren beide einigermassen ratlos, wie es nun weitergehen sollte.

Zwei gute alte Freunde, EHRLICHKEIT und ANSTAND, waren seit dem Ende der WAHRHEIT in die Ferne ausgewandert und in der alten Heimat nicht mehr so leicht aufzufinden.

Der GLAUBE war innerlich zerrissen und haderte mit der Erkenntnis, dass oft auch die Bösen gerne fest an etwas glauben.

Oder im Falle eines Falles den GLAUBEN nach allen Kräften gründlich missbrauchen.

Man beratschlagte, ob es hilfreich sein könnte, gemeinsam weitere Unterstützer zu finden.

Die Überlegungen gingen sogar in Richtung zweier flüchtiger Bekannter von zweifelhaftem Ruf. Mit den Künstlernamen LIST und TÜCKE.

In neueren Zeiten hatten diese beiden Ratgeber sich zunehmend vor allem als Musiker, Schauspieler, Propheten und YouTuber mit und ohne Bart betätigt.

Sehr aktiv waren sie in der gaming-Szene, bei Vermögensratschlägen, der Analyse flacher Erden und des restlichen Universums.
Sowie in Sachen gretagrünmagisches Klima, Sport, Gesundheit und Viren für und gegen alles.

Nebenbei boten sie auch noch Sprachkurse an.
Vor allem arabische, denn die waren plötzlich grenzenlos angesagt.

Die offene Frage blieb, ob solche Influencer, also so eine Art Krankheitserreger an sich, nicht schon heimlich, still und leise allesamt zur falschen Seite übergewechselt waren.

Oder von vornherein sowieso immer auf der richtigen Seite stehen.
Alternativlos.

Sonst könnte man am Ende noch auf den Gedanken kommen,
dass sich HASS und HETZE mal wieder gut getarnt haben.
Denn eigentlich dreht es sich tatsächlich nur um LIST und TÜCKE.

Die WAHRHEIT darüber stand jedoch nicht mehr zur Verfügung.

Ehe der Konflikt in einer weiteren panischen Flucht der HOFFNUNG gipfelte, trat plötzlich die beste Freundin des GLAUBENS herein.

Die TREUE war eine, inzwischen, sehr alte Dame.
Auf den ersten Blick wirkte sie irgendwie nicht unattraktiv, aber bei näherem Hinsehen schien das Bild etwas klarer zu werden.
Sie hatte nämlich bereits vor dem europäischen Mittelalter ihre besten Zeiten hinter sich gehabt.

Von Geburt war sie gerüchterweise Reichs-Deutsche und damit Staats-Bürge.
Möglicherweise stammte sie aber auch aus dem Euro-Binnen-Raum Saar / Letzeburg.

Was für die ganze Geschichte noch aufschlussreicher gewesen hätte sein können.

Vielleicht in der direkten Ahnenreihe eines Grafen oder Junker von Luxemburg.
Ein treuer Husar und früherer Steuer-Mann seiner landestypischen Vorteile.
Reitet auf Europa herum, wie seinerzeit die schöne Frau auf dem Stier des Zeus und hat wegen dieser Anstrengung seit einiger Zeit Rücken.

Angeblich war die TREUE aber nicht wirklich rein-rassig.
Sondern lediglich weitläufig mit irgendwelchen Nibelungen im Rheinland verwandt oder verschwägert.

Ansonsten war von ihren Familienverhältnissen nur bekannt, dass sie in jüngeren Jahren im Karneval mal was mit einem VERTRAUENsmann von einer Versicherung angefangen hatte. Also mit einem Widerspruch in sich.

Gerüchte besagen, dass die wilde Ehe zwischen VERTRAUEN und TREUE durch eine diverse Erscheinung aus deren unmittelbaren familiären Umfeld kaputtgemacht worden sein soll.

Offensichtlich war es das, ständig umherschleichende, MISSTRAUEN, welches die amtliche Trauung der ersehnten ewigen Liebesbeziehung verhinderte.

Gleich nach Eintreffen versuchte die TREUE, die bedrückte Stimmung mit guten Worten in leichter Sprache etwas aufzuhellen.

Es folgte eine pastorale Rede nach dem Motto
„fester GLAUBE und ewige TREUE - bis in den TOD“.

Ihr langer Monolog endete in folgender Erkenntnis:
Wenn der GLAUBE nur fest genug ist, dann besteht bis zum ENDE auch HOFFNUNG.

Die HOFFNUNG hörte sich den Vortrag aufmerksam an.
Aber als sie sich umsah, fehlte ihr plötzlich und überraschend der GLAUBE.

Denn der war mit einem Satz aus dem Haus gesprungen und verschwunden.

Als die, allen überlegenen, Endspielgegner ENDE und TOD erwähnt wurden, liess der GLAUBE nämlich sofort von der HOFFNUNG ab und versuchte, sich aussichtsreicheren Partnern zuzuwenden.

Nicht unwahrscheinlich, dass er es unmittelbar bei einem alten Freund Schlaumeier versuchen würde – dem ERFOLG.

Denn wie allgemein bekannt ist – der ERFOLG gibt wirklich jedem RECHT.

Ausserdem – der TOD ist gewiss. Die HOFFNUNG bleibt eher ungewiss.

Die TREUE Freundin schien ähnliche Überlegungen angestellt zu haben.
Jedenfalls ergab es sich, dass sie dem GLAUBEN sogleich zur Tür heraus folgte.

TREU und GLAUBEN waren beide blitzschnell entschwunden.
Nichts mehr zu sehen davon.

Die HOFFNUNG sass wieder allein und von allen verlassen da.
Traurig dachte sie daran, was sie von der WAHRHEIT in einer stillen Stunde mal erfahren hatte. Damals fehlte ihr grad nur der, dazu passende, GLAUBE.

TREUE baut am liebsten auf reinem GLAUBEN auf.
Die HOFFNUNG, es wäre anders, kann man getrost vergessen.

Wie soll es nur weitergehen ?

Der letzte Akt folgte schnell.

Das BÖSE hatte die ganze Zeit über vor der Tür gelauert und gelauscht.
Heimlich, still und leise. Ziemlich kultiviert eben. Dazulernen schadet nicht.

Nun trat es herein und hatte den letzten Funken HOFFNUNG vor sich.
Hoffnungslos angsterfüllt, eingeschüchtert, einsam und schwach.

Das BÖSE wusste in einer netten Art sanft zu beruhigen.

Genau das beherrscht dieser Typ ausgesprochen GUT.
Jedesmal, wenn es drauf ankommt.

Es geschieht erstmal nichts.
Vor mir brauchst Du nicht wegzulaufen.

Die Sache mit der ständigen VERDREHUNG läuft ganz in meinem Sinne.
In Zusammenarbeit mit der DUMMHEIT funktioniert alles umso besser.

Wenn das mit dem GLAUBEN an die richtige Sache demnächst zum grossen Durchbruch kommt, dann werde ich sogar eine neue WAHRHEIT verkünden.

Die meisten werden damit vermutlich zufrieden sein.
Besonders die, die gerne an eine Wiederauferstehung GLAUBEN.

In WAHRHEIT war diese niemals weg.
Sie ist nur eine andere.

Von der alten WAHRHEIT ist bloss ein vertrauter Satz übriggeblieben.
Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Also, liebe HOFFNUNG, gib Dich selbst nicht auf.

Vielleicht wirst Du von mir noch mal gebraucht.


zuletzt bearbeitet 25.03.2019 15:19 | nach oben springen


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