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Ein Sonntagserlebnis

in Alte und neue Literatur...von Gilbert Kapkowski 09.11.2018 09:15
von gkapkowski • 15 Beiträge

Ein Sonntagserlebnis
unbekannter Verfasser – gefunden zu Beginn der 70er-Jahre – neu geschrieben 09.11.2018

Am Sonntag war ich mit einem Freund bei einer Bekannten eingeladen.
Da ich vergessen hatte, Blumen zu kaufen, fuhren wir schnell zum Hauptbahnhof, um welche am Automaten zu ziehen.

Ich warf 5 DM ein, aber wie es bei so vielen Automaten ist:
Es kam nichts heraus. Weder Blumen noch Geld zurück.

Mein Freund sagte: „Ohne die 5 DM gehen wir hier nicht wieder weg und wenn ich den ganzen Automat kurz und klein schlagen muss.“

Er trat kräftig dagegen.

Ich bückte mich, um zu sehen, ob die 5 DM oder eventuell Blumen herauskämen.

Plötzlich machte es „KLACK“ und die Automatenklappe schlug mir ins Gesicht.

Mein Freund lachte, weil ich so verdutzt guckte.

Ich aber konnte gar nichts entgegnen, denn mein Unterkiefer war herausgesprungen.

Ich hatte heftige Schmerzen. Wir fuhren zum Krankenhaus, um den Kiefer einrenken zu lassen, denn ich konnte nur noch röcheln.

An der Pforte erklärte ich mühsam mein Unglück.
Man schickte mich in den 2.Stock. Dort angekommen, nahm uns sofort eine Schwester in Empfang und sagte uns, dass mir noch etwa 20 Minuten warten müssten, da gerade ein Unfallverletzter genäht wurde.

Ich musste also, trotz meiner grossen Schmerzen, ausharren.

Jeder, der vorbeikam, schaute mich wegen meines schiefen Gesichtes an.
Eine Frau mit einem Kind setzte sich direkt mir gegenüber.

Der Junge trug einen dicken Mantel. Nach einiger Zeit wurde es ihm wohl zu warm darin und die Mutter setzte ihm die Kapuze ab.

Siehe da – der Junge hatte einen Kochtopf auf dem Kopf.

Die Mutter erzählte, der grosse Bruder hätte zu Weihnachten eine Trommel bekommen. Um dem nicht nachzustehen, hätten der Junge und sein jüngerer Bruder sich eine eigene Trommel aus dem Kochtopf gebastelt.

Dabei hätte sich der Kleine den Kochtopf aufgesetzt und der andere Bruder darauf herumgetrommelt.

Wie dem auch sei – man bekäme jetzt den Topf nicht mehr vom Kopf herunter.
Deswegen wäre man jetzt hier, um sich den Kochtopf medizinisch entfernen zu lassen.

Als ich das sah und diese Geschichte hörte, musste ich dermassen lachen, dass sich mein Kiefer plötzlich von selbst einrenkte.

Ich war so froh, dass ich meine Geldbörse aufmachte, zu dem Jungen mit dem Topf hinging und sagte: „Du hast mir so geholfen. Wer weiss, ob ein Arzt das so schnell und schmerzlos hinbekommen hätte. Ich gebe Dir 5 DM, damit Du für eine eigene Trommel sparen kannst.“

Der Junge freute sich sehr.

Ich machte also meine Geldbörse auf und siehe da – es waren nur noch 18 Pfennige darin.

Der Junge zog so ein langes Gesicht, als er das sah, sodass die Mutter ihm dadurch den Topf vom Kopf ziehen konnte.

So war uns beiden geholfen.

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